Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung: Frankfurter Poetikvorlesungen (edition suhrkamp)


 
Erfrischend kritisch und höchst irritierend
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(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung: Frankfurter Poetikvorlesungen (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat 2005 die Frankfurter Poetik-Vorlesungen gehakten. Mit diesem unbeirrbaren Intellektuellen hatte man sich einen besonders kritischen Geist an den Main geholt. Und er hält in seinen Vorlesungen, was er verspricht. Er beschreibt, wie besonders nach dem 11. September 2001 nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa, der Geburtsstätte der Aufklärung,, alle Grund- und Menschenrechte plötzlich zur Debatte standen. Er kritisiert in scharfen Worten die Resignation und Zwangsläufigkeit, mit der auch von
"aufgeklärten" Zeitgenossen die Phänomene der Globalisierung hingenommen oder gar gerechtfertigt werden.

Und er beschreibt den Anspruch an die Literatur und den Anspruch des Schriftstellers an seinen Leser:
"Jeden Einzelnen von Ihnen, der zunächst nichts anderes will als das, was der Held eines bürgerlichen Bildungsromans will, und der zunächst nichts anderes tut, als den Anspruch der Helden der klassischen bürgerlichen Bildungsromane auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten umzusetzen, nämlich: sich zu bilden und seinen vernünftigen Platz in der Gesellschaft zu suchen.
Würden nur zehn Prozent der Bevölkerung diesen Anspruch, der der bürgerlichen Gesellschaft als leeres Bildungsgut immanent ist, umzusetzen versuchen und würden sie nichts anderes tun, als das beim Wort zu nehmen, was Ihnen Wort für Wort ins Haus geliefert wird -es würde die bürgerliche Gesellschaft, in ihrer heutigen Verfaßtheit sprengen (...) Warum sind Sie nicht auf den Barrikaden und fordern die Verwirklichung des bloß dem Schein nach Verwirklichten: Demokratie. Würden Sie die Demokratie beim Wort nehmen -es würde alles zusammenbrechen, das können Sie mir glauben. Aber Sie tun es nicht. Davon muß ich in meiner Arbeit ausgehen. Was sagt das über unsere Lebensrealität aus ? Und, viel beschämender, was sagt das aus über uns, die angeblichen 'Helden' unserer Romane ?"

Menasse hat eine gnadenlose Polemik vorgelegt über unsere Gesellschaft und Zeit und so durchaus angeknüpft an die Tradition, die der Ort der Vorlesungen nahe legt: der Adorno-Hörsaal in der Frankfurter Universität.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. September 2006
Kundenrezensionen:
3. Wir sind Gott!
2. Erfrischend kritisch und höchst irritierend (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Das Ganze, die Wahrheit und das Gegenteil
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